Wildspitze

Veröffentlicht am:07 August 2019
By Hanna

Wildspitze Überschreitung

3. – 4. August 2019

Es ist soweit! Zeit für meine erste Hochtour. Ziel – die Wildspitze – mit ihren 3768m der höchste Berg Tirols und der zweit höchste Österreichs. Das hört sich schon beeindruckend an und für mich auch ein bisserl einschüchternd. Ich habe nämlich keine Ahnung wie ich die Höhe vertrage. Dann wären da auch noch der Gletscher und seine Spalten… „Schon mal mit Steigeisen gegangen?“ fragte Michi,  „äähm NEIN noch nie“. Es war also fast alles neu für mich und trotzdem freute ich mich riesig auf diese Erfahrung.  

BIWAKIEREN UNTER STERNENHIMMEL

Michi hatte geplant, dass wir von Vent zur Breslauer Hütte gehen. Oberhalb der Hütte befindet sich ein kleiner See und ein Biwakplatz. „Dort Biwakieren wir und gehen dann zeitig in der Früh auf den Gipfel.“ Klingt abenteuerlich – war es auch.

Von Vent zum Biwakplatz geht man ca. 2,5h. Der Weg verläuft direkt unter dem Sessellift – Zuerst ein kleiner Steig dann ein Forstweg. Wir waren um ca 20:30 Uhr bei unserem Biwakplatz und machten es uns gemütlich. Isomatte, Schlafsack und Biwaksack eine kleine Jause und ein Bier – perfekt! Zeit für eine Nacht unter den Sternen.

AUCH EIN WETTERFROSCH DARF SICH MAL IRREN

Tiefstwert 10 Grad war die Voraussage des Wetterberichts. Dass, das nicht ganz gestimmt hat, stellten wir dann in der Nacht fest – ich, sowieso etwas kälteempfindlich, hatte zwar den wärmeren Schlafsack, fror aber trotzdem extrem. Am Biwaksack bildete sich der Reif durch meinen Atem und hin und wieder verfluchte ich Michi im Stillen für dieses Vorhaben. Ihm erging es aber noch schlimmer, denn mit seinem Schlafsack, der definitiv nicht für winterliche Temperaturen geeignet war, konnte er kaum schlafen. Bezüglich Komfort hatten wir definitiv schon bessere Nächte erlebt aber der Blick auf den Sternenhimmel – ganz allein, am Fuße der Wildspitze hatte schon irgendwie was schönes – zumindest im Nachhinein.

Endlich war es 6 Uhr Früh und die Nacht vorbei. Die ersten Bergsteiger passierten schon unseren Schlafplatz. HMPF! die haben sicher hervorragend geschlafen in der Breslauerhütte – dachte ich mir neidisch. Die Gedanken an die Nacht wurden aber bald von Vorfreude und Aufgeregtheit des heutigen Tages verdrängt und wir begannen unsere Sachen zu packen.

DIE LUFT WIRD DÜNN

Rucksack auf den Rücken, Stöcke in die Hände, auf geht’s! Anfangs verläuft der Weg relativ flach über die Moränenlandschaft Richtung Mitterkarjoch. Vor dem steilen Anstieg machten wir kurz eine Pause um auf die Gletscherausrüstung umzupacken. Wir nähern uns in Serpentinen dem Einstieg des Klettersteigs auf der linken Seite des Kars. Dass das schon ziemlich anstrengend war, lag einerseits an der Höhe aber auch an dem weichen Schnee, der das Gehen erschwerte.

Der Klettersteig ist nicht lang, daher haben wir die Steigeisen anbehalten. Nach dem Steig werden wir mit einem großartigen Blick über den weitläufigen Taschacherferner belohnt. Jetzt geht’s über den Ferner zum Gletscherbecken – auch „Frühstücksplatzl“ genannt und von dort über Schutt und Geröll am Südwestrücken hinauf zum Gipfel. Nach einer leichten Kletterei steht man dann auf 3768 Metern – am höchsten Punkt der Wildspitze.

DER NORDGIPFEL

Direkt am Gipfelkreuz ist nicht viel Platz und der Wind machte ein Verweilen unmöglich. Daher nur ein schneller Gipfelkuss und ein Foto, bevor wir über einen schmalen Grat zum Nordgipfel wechselten – mehr Platz – keine Leute – und der Blick aufs Gipfelkreuz viel schöner! Über die steile Flanke geht’s dann hinunter zum Taschacherferner wo wir nach wenigen Metern unsere Aufstiegspur erreichten.

Über den Klettersteig und dem Steilstück wieder hinunter zur Moränenlandschaft dort haben wir uns dann eine Stärkung und das verspätete Gipfelschnapserl wirklich verdient haben. ?

Viele neue Eindrücke, viel gelernt, viel erlebt, gefroren, geschwitzt, geschnauft, gelacht und jeden Moment gelebt. Wildspitze – es war mir eine Ehre

TOURENINFO

Aufstieg: Vent – Breslauerhütte (+960 HM), Breslauerhütte – Wildspitze (+940 HM)

Abstieg: Wildspitze – Vent (-1900HM)

Vent – Biwakplatz
Aufstieg über Westgrat
Abstieg über Nordgipfel

Tourenbeschreibung: von Vent zur Breslauerhütte über Steig unter dem Sessellift ab Liftstation dann Forstweg bis man die Hütte sieht – dann wieder ein kleiner Steig. Von der Hütte den Steinmännern folgen man kommt immer wieder auf den Weg. Auf ca 3250 m auf Gletscheraufrüstung wechseln und bei gleichmäßiger Steigung zum Klettersteig aufsteigen. Der Klettersteig ist gut gesichert. Der Weg über den Gletscher verläuft immer im sicheren Abstand zur Wand auf der rechten Seite. Nochmal ein steiles, spaltenreiches Gelände und die Wildspitze ist in Sichtweite. Man geht zum rechten Wandfuß der Wildspitze und erreicht über den Westgrat den Gipfel. Vom Gipfel über den schmalen Grat zum Nordgipfel. Über die steile Flanke hinunter zur Aufstiegspur und den Aufstiegsweg entlang wieder ins Tal.

Beste Jahreszeit: Juni – Juli – August

Schwierigkeit: mittel

Unser Zeitplan als Richtwert:

6:00 Abmarsch Biwakplatz (nähe Breslauerhütte)

8:00 Mitterkarjoch (Klettersteig)

9:10 Gipfel Wildspitze

10:50 Umziehplatz Gletscherausrüstung

14:30 Vent

AUSRÜSTUNG

Hochtourengurt

Helm

50 Meter Einfach Seil

1 Eisschraube pro Person

1 Pickel

Steigeisen

1x Ball Lock Karabiner

2x Schraubkarabiner

2x HMS Karabiner

2x | 4 Meter Reepschnur

1x Bandschlinge Micro Traxion & T-BlockAufstieg

One Response to “Wildspitze”

  1. Birgit sagt:

    Liebe MalSomalSo’s.
    Ich bin fasziniert von eurem Blogg. Mit soviel liebe und begeisterung geschriebene Beiträge verleiten mich zum mehrlesen und Fotoschauen. ☺️
    Ich kann es kaum erwarten, etwas über weitere Touren zu erfahren.

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