Olperer Überschreitung

Veröffentlicht am:17 August 2019
By Hanna

3 Tagestour OLPERER

Geführte Tour von Michi – Ausgeschrieben über die Naturfreunde Tirol

9. – 11. August 2019

Urlaub! Mit dem vollbepackten Bus, da es nach der Olperer Überschreitung gleich nach Arco zum Klettern, und dann in die Schweiz für die nächste Hochtour geht, machen wir uns auf den Weg zum Schlegeisstausee.

Die ausgeschriebene Hochtour war sofort Ausgebucht. Neben mir, haben sich noch 3 weitere Abenteuerlustige angemeldet. Treffpunkt am letzten Parkplatz am Zamserbach. Ich bin gespannt, wer uns begleiten wird. Lange hat es nicht gedauert, da war unsere kleine Gruppe komplett – eine Salzburgerin, 2 Damen aus Oberösterreich und wir zwei. Alle super nett, und voller Tatendrang. Die kommenden 3 Tage werden bestimmt lustig! Nach einem kurzen Kennenlernen und Gepäckcheck starten wir in Richtung Alpeiner Scharte.

1. Tag Alpeinerscharte

DAS ZIEL VOR AUGEN – FLUCH ODER SEGEN?

Die Sonne brennt schon anständig vom Himmel und die ersten Höhenmeter durch den Latschenwald hatten es in sich. Umso angenehmer war die Windprise als wir den Wald hinter uns liesen und den glasklaren, wunderschönen Unterschrammerbach entlang wanderten. Das Gelände nun weitläufig und der heutige höchste Punkt, die Alpeiner Scharte schon in Sicht. Leider. Scheint nämlich ziemlich weit weg, also noch ein anständiger Fußmarsch vor uns. Manchmal wär es mir lieber, das Ziel nicht direkt vor Augen zu haben.

Landschaftlich ist die Wanderung eine Augenweide! Die 2 kleinen Bergseen laden zur Abkühlung ein. Eine erfrischende Katzenwäsche, ein Schluck Wasser und einen Müsliriegel. Der Grund für die Pause -> es wird knackig. Die Steigung steiler, die Steinstufen höher. Michi wählte ein moderates Tempo. Für jedes Gruppenmitglied gut schaffbar – das kann er im Gegensatz zu mir richtig gut. Ich hab da eher die Rennpferd – Gehtechnik und bin daher an erster Position der Gruppe ungeeignet.

Der Weg hinauf zur Scharte ist immer gut markiert aber das rutschige, feine Geröll und die steile Hangneigung verlangen schon einiges an Kondition und Trittsicherheit ab.

SIGHTSEEING AUF 2800 METERN

Höchster Punkt 2957m – ab jetzt geht’s nur noch bergab! Das einzige was jetzt noch steigt, ist die Vorfreude auf ein kühles Radler auf der Terrasse der Geraerhütte. Über loses Geröll steil hinunter, erreichen wir ein altes Bergwerk bzw das was noch übrig sind. Der Eingang ist mit einem Gitter versperrt, allerdings befindet sich an der Seite ein Loch in der Mauer. Das müssen wir uns anschauen! Mit der Stirnlampe am Kopf sind wir ins innere des Stollen gekrochen und haben uns umgesehen. Im Bergwerk wurde 1941 Molybdän abgebaut. Damals für die Rüstungsindustrie von Bedeutung, wurde der Stollen inklusive Seilbahn und Baracken für die Zwangsarbeiter errichtet. Sogar nach dem Lawinenunglück 1944 bei dem 22 Arbeiter ihr Leben lassen mussten, lief der Ausbau des Bergwerks weiter. Der Zusammenbruch des dritten Reichs beendete den Probeabbau.

Es konnte niemals auch nur die geringste Menge an Molybdän gewonnen werden. Alles was blieb sind der Eingang des Stollens, die Grundmauern der Baracken und die Reste der Seilbahn. Beeindruckt und geschockt von dem Wahnsinn der damals von Statten ging verließen wir den Stollen.

das kleine Fenster des Stollens

Die Geraerhütte ist nun in Sicht. Klitzeklein. Schon wieder! Das Ziel in Sicht und wir so weit weg. Nach einer guten Stunde haben wir es dann aber geschafft und stießen auf den gelungen ersten Tag an.

2. Tag Hochtour Olperer

Die Geraerhütte ist echt empfehlenswert! Die Wirtsleute super nett, das Essen spitze, das Frühstück sehr gut und die Zimmer gemütlich. Um 5 Uhr morgens kehrte wir allerdings unserer Unterkunft den Rücken und gehen der Moräne entlang zu den Ausläufern des Olpererferners. Dort packten wir auf Gletscherausrüstung um und bildeten eine Seilschaft.

VON KRAXLEREI UND GIPFELGLÜCK

In vielen Serpentinen schraubten wir uns über den steilen Hang zur Wildahnerscharte. Das gehen in der Seilschaft funktionierte super, das Tempo zügig aber angenehm. Vor uns nun der komplette Nordgrat und auch das Gipfelkreuz scheint schon zum Greifen nahe. Nochmals ein kurzer Steilhang dann beginnt die leichte (II. Grad) Kletterei. Die 2 Schlüsselstellen (III-) sind mit Griffen und Tritthilfen versehen. Das Klettern in einer Seilschaft ist durch geringen Abstand um einiges kniffliger als das gehen, da man durch zu langsames Nachklettern den Vordermann nach unten zieht.

ca. 12 Uhr erreichten wir den Gipfel. Der Olperer – 3476m. Gratulation! Super Truppe!

Der Abstieg über den Nordgrat ist meist leicht, anfangs mit Kletterstellen (II.) die aber mit einem Drahtseil versichert sind. Dann über Blockgelände und Schneefelder zur Olpererhütte. Der heutige Tag und die Königsetappe ist geschafft. Die Stimmung ist ausgelassen, die Freude über den Gipfelsieg groß. Wir ließen den Abend beim Kartenspielen gemütlich ausklingen und hofften, dass unsere Zimmerkollegen im Matratzenlage keine Schnarcher waren oder zumindest erst nach uns schlafen gehen. Wir hatten Glück – kein Schnarcher dabei. 😉

3. Tag Heimreise bzw Weiterreise

Nach einem sehr guten Frühstück, packten wir unsere Sachen und spazierten die letzten Höhenmeter bergab zum Schlegeisspeicher.

Danke Michi, für die perfekte Leitung der Tour. Sehr abwechslungsreich, fordernd, abenteuerlich, lustig, vielseitig, beeindruckend und super organisiert – da waren wir uns alle einig. Und das größte Lob – die glücklichen Gesichter und leuchtenden Augen der Gruppenmitglieder. Kommt’s gut Heim und wer weiß, man sieht sich ja immer zwei mal im Leben!

Rein ins Auto, ab nach Italien – KLETTERN, BADEN, PIZZA ESSEN – mal so mal so

TOURENINFO

1. Tag: Parkplatz – Alpeinerscharte – Geraerhütte (+1110hm/ -570hm)

Dauer ca. 5 Stunden

2. Tag: Geraerhütte – Olperer – Olpererhütte (+1050hm / -990hm)

Dauer ca. 8 Stunden

3. Tag: Olpererhütte – Parkplatz (-580hm)

Dauer ca. 1,5 Stunden

Schwierigkeit: III-, 40° mittel

AUSRÜSTUNG

Hochtourengurt

Kletterhelm

Express Karabiner

Micro Traxion & T-Block

2x Eisschrauben

2x HMS Karabiner

1x Ball-Lock 

1x Steigeisen 

50 Meter Seil

2x 4 Meter Reepschnur

1x Bandschlinge

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