PIZ PALÜ

Veröffentlicht am:25 August 2019
By Hanna

HOCHTOUR 15. – 16. August 2019

Nach 5 Tagen in Arco, wo wir uns an den Felswänden austobten, wird’s Zeit für einen Tapetenwechsel. In der Früh packten wir unsere Sachen, wechselten von Sommerkleidung auf Hochtourenausrüstung und machten uns auf den Weg in die Schweiz. Genau gesagt nach Diavolezza, um am nächsten Morgen den Piz Palü zu erklimmen. 

ICH, EIN HOCHTOURENNEULING

PIZ PALÜ – von dem hab ich ja um ehrlich zu sein noch nie was gehört. Piz Bernina – ja – Bianco Grat – ja aber Piz Palü? Keinen blassen Schimmer.

Mit der Seilbahn geht’s gemütlich zur Diavolezza Hütte – gemachte Höhenmeter: 890m davon ca 8 zu Fuß. Energie also genug für den nächsten Tag 🙂 

Der Blick von der Terrasse auf den Gletscher und auf die Gipfel des Piz Palüs und des Piz Berninas sind beeindruckend. Die drei Felspfeiler (Ost-, Mittel,- und Westpfeiler) sind gut zu sehen und Michi zeigt mir die morgige Route – wir wollen über den Ostpfeiler hinauf zum Gipfel und über den Normalweg hinunter. Die Tour bietet eine hochalpine Genusskletterei bis zum oberern vierten Grad. Wir freuen uns schon rießig!

Beim feinen 4-Gänge-Menü (wir haben uns nicht lumpen lassen und Halbpension gebucht) checken wir nochmals das Wetter und leider soll es in der Nacht Regenschauer geben. Ob das wirklich was wird mit unserer Kletterei? Naja, wir werden sehen. Ansonsten wird’s wohl der Normalweg…

WIR HABEN ECHT EINEN KNALL

4 Uhr Früh – Blick aus dem Fenster – Petrus meint es nicht gut mit uns. Es regnet. Beim Frühstück nochmals das Wetter gecheckt: Am Vormittag soll es besser werden mit, ich kann es kaum glauben, einigen Sonnenstunden. Die Entscheidung fiel aber wegen dem zu nassen, und womöglich schneebedeckten Fels auf die Normalroute. 5 Uhr verließen wir die Hütte. Bei Schneeregen! Die Schneeflocken reflektierten durch meine Stirnlampe so stark, dass ich nur noch schnelle Punkte vor meinem Gesicht vorbeiflitzen sah. Unglaublich. Wir haben echt einen Knall. Andere liegen in ihrem Sommerurlaub am Strand, mit einem Cocktail in der Hand und lassen sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Und wir? Wir gehen bei 3 Grad und Schneeregen um 5 Uhr morgens los, ohne zu wissen ob wir überhaupt bei der Wetterlage den Gipfel erreichen werden. In meinen Gedanken versunken, trottete ich hinter Michi her und hoffte, auf baldige Besserung.

GLETSCHERSPALTEN DURCH- UND ÜBERQUEREN

Der Weg führt von der Diavolezzahütte um den Piz Trovat, zum Beginn des Gletschers. Gletscherausrüstung angeschnallt, marschierten wir los und bemerkten nach wenigen Metern, dass unsere Gebete erhört wurden. Der Nebel hing zwar noch tief, aber mit der Morgendämmerung hat es aufgehört zu regnen. Über den Gletscher, geht es nun immer steiler werdend hinauf, an riesige Spalten vorbei und zwischen durch. Mit den Höhenmetern lichtete sich der Nebel und dann war der Himmel plötzlich fetzblau und meine Freude riesig. Kurz vor dem ausgesetzten Firngrat ist noch eine steile Rampe zu überwinden die es in sich hat, dann geht es  über den Grat. (und der war wirklich ausgesetzt!) Langsam – Schritt für Schritt – volle Konzentration.

VON DÜNNER LUFT UND LUFTIGER HÖHE

Am Ostgipfel angekommen, nochmals leicht bergab und hinüber zum Hauptgipfel. Die Steigung ist mäßig, trotzdem merke ich jetzt die Höhe. Auf knapp 4000 Metern komme ich, obwohl wir sehr langsam gehen, ziemlich ins schnaufen. Wir haben den Gipfel des Piz Palüs erreicht – 3.900 Meter – ein unbeschreibliches Gefühl! Den Eispickel als Handystativ missbraucht, machten wir ein Selfie. Man muss sich zu helfen wissen wenn man allein dort oben steht 😉 

Der Abstieg verlief immer entlang der Aufstiegsroute und bedarf keiner großen Anstrengung mehr. Das Wetter, unsere Laune und der Ausblick konnten nicht besser sein. An der Diavolezzahütte zurückgekehrt, gönnten (und das mein ich wirklich so, denn in der Schweiz ist das Preisverhältnis ein anderes) ein Bier und betrachteten die beeindruckende Berglandschaft – da waren wir heute oben – kaum zu fassen.

Stolz, müde und froh, einen Knall zu haben und nicht am Strand zu liegen, traten wir die Heimreise nach Kufstein an. 

Uf Wiederluege, schöne Schweiz  

TOURENINFO

Aufstieg: Talstation Seilbahn – Diavolezzahütte (+900hm), Diavolezzahütte – Piz Palü (+1017hm)

 beste Jahreszeit: Juni / Juli / August / September / Oktober

Schwierigkeit: mittel 

AUSRÜSTUNG

Hochtourengurt

Helm

50 Meter Einfach Seil

1 Eisschraube pro Person

1 Pickel

Steigeisen

1x Ball Lock Karabiner

2x Schraubkarabiner

2x HMS Karabiner

2x | 4 Meter Reepschnur

1x Bandschlinge Micro Traxion & T-BlockAufstieg

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