Großglockner – Stüdlgrat

Veröffentlicht am:26 September 2019
By Hanna

über den Stüdlgrat auf 3798m

21. -22. September 2019

Wieder einmal kurz entschlossen packten wir unsere Hochtourenausrüstung. In meinem ersten ‚Hochtourenjahr‘ ist der Großglockner natürlich einer der ‚Pflichgipfel‘.

Es wäre ja nicht der Michi, würde er sich für den Normalweg entscheiden. Nein – wenn dann schon mit mehr Luft unter den Sohlen, daher ist die Routenauswahl auf den Stüdlgrat gefallen. Laut Topo schaut das cool aus!

1 zu ca 30

Für mich die erste Tour auf den Glockner – für Michi die ungefähr dreißigste. Und trotzdem hab ich das Gefühl freut er sich, mit mir gemeinsam den Gipfel zu erklimmen. Der Nachteil an unserer Spontanität – die Hütten sind meist ausgebucht – und so auch dieses Mal – auf der Stüdlhütte war kein Platz mehr frei. Die Stüdlhütte war deshalb unsere erste Wahl, weil sie die höchstgelegene Hütte ist und man sich dadurch in der Früh einiges an Höhenmetern spart.

Die Lucknerhütte war unsere zweite Wahl. Sie liegt 560 hm unterhelb der Stüdlhütte und hatte Gott sei dank noch ein Zimmer für uns frei. Sofort gebucht – also ab nach Kals!

Vom Parkplatz am Lucknerhaus spazierten wir nur 300 hm zur Lucknerhütte. Wir hatten sogar ein Einzelzimmer und die Wirtsfamilie ist super freundlich! Das Abendessen war ein Traum und die Portionen so groß, dass ich sogar was übrig lassen musste – das kommt übrigens sehr selten vor 😉

DER FRÜHE WURM HAT EINEN VOGEL

Zeitig lagen wir im Bett, da wir für die zusätzlichen 540 hm zur Stüdlhütte auch eine Stunde früher aufstehen mussten. Um 4 Uhr klingelte der Wecker. Puh, das ist auch für mich ein bisschen zu früh. Anziehen und ab zum Frühstück – das fiel leider recht spärlich aus aber das wichtigste wie Kaffee und eine Scheibe Brot war da.

Um 5 Uhr ließen wir unser Quartier hinter uns und waren eines unter vielen Stirnlampenlichtern die dem Glockner entgegen gingen. Erst bei der Stüdlhütte trennten sich die Lichter Richtung Normalweg und Stüdlgrat.

Zuerst über Geröll hinauf zum Teischnitzkees wo wir auf Gletscherausrüstung umpackten. Mit Steigeisen, Klettergurt und Seil überquerten wir diesen, immer den imposanten Grat im Blick. Gleich nach der Luisenscharte auf der rechten Seite sind wir in die Tour eingestiegen und konnten so den Menschenmassen eine Zeit lang aus dem Weg gehen. Die meisten wählen nämlich die Variante weiter hinten, da die Kletterei dort leichter ist. Jetzt geht’s immer knackig bergauf zum Frühstücksplatz (3550m) und von dieser über eine Verschneidung (3) und einen Riss (3) zur Schlüsselstelle der Tour.

MIT MIR UM EIN BIER WETTEN SOLLTE GUT ÜBERLEGT SEIN

„Wenn du das schaffst, ohne dich am Expresskarabiner hoch zu ziehen, dann zahl ich dir das nächste Bier“ – HA! Da hat er geschaut der Michi, als ich die Schlüsselstelle ohne Hilfe meisterte – kein Wunder! Ich lass mir doch das Bier nicht entgehen 😀

Die letzten Steinstufen sind recht leicht zu überwinden und dann stehst du endlich am Gipfelkreuz bzw. in der Schlange zum Gipfelkreuz. Das war schon ein kleiner Wermutstropfen. Diese Menschenmassen hatte ich nicht erwartet – aber es wurde noch schlimmer…

WAS FÜR EIN CHAOS

Endlich ein Gipfelfoto gemacht, stellten wir uns nämlich in die nächste Schlange – zum Abstieg auf den Kleinglockner. Das Problem: Der Weg ist sehr schmal und ein Ausweichen kaum möglich. Zig Seilschaften wollen gleichzeitig hinauf und hinunter – dies führte zu einem ordentlichen Chaos und einer langen Wartezeit, auch für uns.

Endlich am Kleinglockner angekommen, konnten wir zumindest ohne lange Wartezeiten den Abstieg ins Tal antreten. Vorbei an der Adlersruhe über ein kurzes Gletscherstück und dem Ködnitzkees zurück zur Stüdlhütte.

Wenn der Weg breiter wird, und das gehen weniger Konzentration verlangt, dann meldet sich meist mein Magen und ich bekomm so richtig Hunger. Kein Wunder – Blick auf die Uhr – wir haben seit 12h nichts mehr gegessen! Also schnell ins Tal und hinein ins Lucknerhaus. Bei einem Grillteller und einem Bier, welches ich mir ja bei der Schlüsselstelle verdient hab, ließen wir den Tag nochmal Revue passieren.

UNSER FAZIT

Lucknerhütte: TOP! Stüdlgrat: Wunderschön – eindeutig die bessere Variante. Gipfel: zu viele Menschen. Abstieg: diesen Wahnsinn konnten wir nicht in Worte fassen. Großglockner: ein Muss für alle Alpinisten am höchsten Punkt Österreichs zu stehen. Dass man dort nicht die Einsamkeit findet sollte einem bewusst sein.

Sterne von uns!

TOURENINFO

Aufstieg: Lucknerhaus – Lucknerhütte +300hm / Lucknerhütte – Großglockner +1560hm

Abstieg: Großglockner – Lucknerhaus -1860hm

Tourenbeschreibung: Von der Stüdlhütte gehen wir den Weg auf das Teischnitzkees. Man betritt den flachen Gletscher und geht immer westlich vom Luisengrat weiter zur Luisenscharte (3.175 m). Jetzt sind wir gleich rechts auf den Grat geklettert, so stellt man den Massen von Leuten eine Zeitlang aus. Die meisten gehen bis ganz nach hinten und ein Schuttfeld nach oben, wir kletterten stattdessen immer den Grat entlang,weiter bis zum Frühstücksplatz (3.550 m). Von der Tafel leicht links und eine Verschneidung III hinauf.Den nächsten Turm (Kanzel) umklettert man östlich. Von hier geht es in anhaltender Schwierigkeit, oft sehr ausgesetzt, meist westlich des Grates weiter. Es folgt eine Platte die man über einen Riss erreicht III+. Nach einer weiteren Seillänge folgt die SchlüsselstelleIII+ A0, die mit einem Hanfseil undTrittstiften begehbar wird. Nun etwas leichter bis zum höchsten Punkt von Österreich. Abstieg über Normalweg.

Beste Jahreszeit: Juni / Juli / August / September / Oktober

Schwierigkeit: III+, 40°, AD schwer

Unsere Zeit als Richtwert:

5:00 Start Lucknerhütte

11:00 Gipfel

13:30 Adlersruhe

16:00 Lucknerhaus

AUSRÜSTUNG

Hochtouregurt

Helm

40 Meter Einfach Seil

1 Eisschraube pro Person

1 Pickel

Steigeisen

4 Exressen

1x Ball Lock Karabiner

2x Schraubkarabiner

2x HMS Karabiner

2x | 4 Meter Reepschnur

1x Bandschlinge Micro Traxion & T-BlockAufstieg

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