Ortler Hintergrat

Veröffentlicht am:05 Oktober 2019
By Hanna

Hochtour auf den König Ortler

27. -.28. September 2019

3 Personen – 1 Ziel über den Hintergrat auf den höchsten Berg Südtirols mit seinen 3899 Meter. 

DAS LETZTE WOCHENENDE

Den Zeitpunkt für eine Hochtour lange im Voraus zu planen, ist fast unmöglich. Die Bedingungen und das Wetten sollten perfekt sein und da muss man dann hin und wieder kurzfristig die Entscheidung für eine Tour treffen. Kein Problem für uns – ein Anruf bei der Hintergrathütte, ein Anruf bei Astrid, die uns bei dieser Tour begleitet und das Wochenende wurde fixiert.

Ende September ist schon ein bisschen spät für Hochtouren, doch die Bedingungen sind super und die Hütte hat dieses Wochenende das letzte mal geöffnet – wurde uns von der Wirtin versichert. Da haben wir ja Glück gehabt! Von Sulden gingen wir am Vorabend auf die Hintergrathütte – Dauer ca. 1:45 Stunden. Der Nebel zog über die Berge und die Stimmung war mystisch. Eine schöne Wanderung, mit tierischen Begegnungen.

KURZER, ABER GEMÜTLICHER ABEND

Wir waren mit einem weiteren Tisch von 4 Personen die einzigen Gäste. In der Stube war es gemütlich. Der Kachelofen eingeheizt, das Essen sehr gut und die Portionen mehr als genug. Lange war der Abend allerdings nicht. Ab ins Bett – morgen müssen wir früh raus!

Tagwache 5 Uhr. Frühstücken. Ein richtiges Südtiroler Frühstück! Es gibt Vinschgerl. Hunger hab ich noch nicht, aber da ich weiß, dass ich die Energie brauchen werde, ließ ich mir das Nutellavinschgerl mit einer Tasse Kaffee dann doch schmecken.

6 UHR ABMARSCH

Rucksack packen und Stirnlampe aufsetzen. Wir starten in die Finsternis.

Anfangs gemütlich über Geröll zum Fuße des langen Grates, dann anhaltend Bergauf mit einigen leichten Kletterstellen. Der Tag bricht an, der Nebel lichtet sich und wir werden mit einem traumhaften Sonnenaufgang belohnt. Die Verhältnisse und der Schnee sind wirklich Top! Steigeisen haben wir bis auf die letzten Meter nicht benötigt, was die Kletterstellen leichter zu überwinden machte. Ein klassisches „Hintergrat Foto“ mit dem Signalkopf ließen auch wir uns nicht entgehen. 🙂

JA WIE HOCH IST ER DENN JETZT NUN, DER KÖNIG?

Wir gingen sehr zügig und machten in kurzer Zeit viele Höhenmeter. Durch leichte Kopfschmerzen spürte die Höhe – war aber nicht weiter schlimm. Die Kletterei und das Gehen entlang des Grates war so spannend und abwechslungsreich, dass die Zeit wie im Flug verging und dann standen wir plötzlich schon oben. Am König Ortler – laut den Österreichern auf 3899m und laut den Italienern auf 3905 m – egal – auf jedenfall ein tolles Gefühl mit oder ohne den 6 Metern 😉

Über den Normalweg sind wir dann abgestiegen. Die großen Spalten waren imposant und der Respekt vor dieser gewaltigen Landschaft die wir durchqueren durften riesig. Zu unterschätzen ist der Abstieg allerdings nicht. Es sind auch hier viele Kletterpassagen und eine Abseilstelle dabei. Außerdem sind unsere Beine schon ein wenig müde, was die Kraxlerei definitiv nicht einfacher machte.

An der Payerhütte angekommen, gönnten wir uns ein kühles Bier und genossen die warmen Sonnenstrahlen. Der Blick immer auf die Berge gerichtet – ich glaub davon kann man sich einfach nie sattsehen.

Nach einem weiteren langen Fußmarsch waren wir nun bei unserem Auto und traten erschöpft mit vielen neuen Bildern im Kopf die Heimreise an.

Sensationelle Tour, muss man gemacht haben!

Sterne von uns!

TOURENINFO

Aufstieg: Sulden – Hintergrathütte (+811 HM), Hintergrathütte – Ortler (+1245 HM)

Abstieg: Ortler – Sulden (-2050HM)

Tourenbeschreibung: von der Talstation der Seilbahn Sulden zur Hintergrathütte. ca 1:45 h. Am Felsgrat immer links haltend. Meist Begehungsspuren vorhanden. Nicht früh auf den Grat klettern. Bei einer leichten Verschneidung hoch zum Grat und von dort immer aufwärts bis man einen breiten Firnrücken erreicht. (1. Eisfeld) Weiter bis Felsgrat und den Signalkopf links umklettern. (Kleberinghaken vorhanden). Über eine Verschneidung (4) und einen Riss aufwärts zum Grat. (Stand mit Haken vorhanden) Über Firnfeld (2. Eisfeld) bis man wieder den Felsen erreicht. Dort Stand an einer Köpfelschlinge. Kurze Wandstelle 25m (3; ein Haken) dort leicht rechts querend und über eine kurze, leicht überhängende Gratstelle (4; 3 Haken) nun den breiten Grat entlang zum Gipfel.

Abstieg: über Normalweg immer Richtung Nordwest über den Firnrücken absteigen. Vor der Biwakschachtel links in die Firnflanke absteigen und ca 7 hm abklettern (3). Über den Gletscher auf den Grat zurückqueren. Dort können Pickel und Steigeisen weggepackt werden – es folgen ein paar leichte Kletterstellen und ein Abseilstand mit zwei Klebebohrhaken. Dort 1×25 m abseilen und weiter zu einem versicherten Gratabbruch (Klettersteigartig versichert). Nun immer weiter absteigen bis man die Payerhütte erreicht. Von der Hütte dem Wanderweg ins Tag folgen.

Beste Jahreszeit: Juni – Juli – August – September

Schwierigkeit: schwer

Unser Zeitplan als Richtwert:

6:00 Start Hintergrathütte

11:00 Gipfel

14:00 Payerhütte (Pause 1h)

17:00 Sulden

AUSRÜSTUNG

Kletttergurt

Helm

50 Meter Einfach Seil

1 Eisschraube pro Person

1 Pickel

Steigeisen

1x Ball Lock Karabiner

2x Schraubkarabiner

2x HMS Karabiner

2x | 4 Meter Reepschnur

1x Bandschlinge Micro Traxion & T-Block

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