Klettern am Plöckenpass

Veröffentlicht am:05 Juni 2020
By Hanna

Klettertour „Capo“ – Pal Piccolo

1. Juni 2019

Mit dem Auto hinauf, viele Kurven, ein paar Tunnel – am Pass angekommen pfeift uns der Wind ordentlich um die Ohren. Die Windräder drehen sich langsam und rauschen dabei monoton. Der Blick nach oben an die Westwand – reges Treiben in den vielen Routen des kleinen Pal. Blick in die Nordwand – ein Klettersteig – auch hier schon einiges los. Immer wieder hört man ein italienischer Kommando von den Felsen herunter hallen. Neben uns unterhalten sich gerade deutschsprachige Kletterer die am Auto den Klettergurt anziehen. Wir sind an der Österreichischen-Italienischen Grenze. Am Plöckenpass.

Direkt vom Parkplatz kämpfen wir uns durch Buschwerk hinauf zum Einstieg. Die Routen „Capo“ und „Spigolo de Infanti“ verlaufen knapp nebeneinander. Die Capo beginnt bei einem Grenzstein – die Spigolo ein paar Meter weiter rechts. (rot markiert mit Pfeil)

Grenzstein am Einstieg der „Capo“

STAU, WIND UND KALTE FINGER

Michi hat sich für den knackigeren Start entschieden und somit sind wir in die Capo (6a) eingestiegen. Am ersten Stand war für 2 Personen kaum Platz, somit mussten wir eine Weile warten, bis die Seilschaft vor uns weg war. Schatten und Wind machten das Warten ungemütlich.

1. und 2. SL Schwierigkeitsgrat 6a. Ich hatte schon ein bisschen Angst, wenns gleich so schwer anfängt, war daher überrascht, dass es mir so gut gegangen ist. Ausser den kalten Fingern am Anfang, die mir das Klettern erschwerten und die plattigen Stellen, an denen ich einfach immer noch schiss hab, obwohl das Wort „auf Reibung“ wie eine große Gedankenblase über meinem Kopf schwebt. Wissen und das Umsetzen bzw das Umsetzen trauen ist eben nicht das Gleiche.

GENUSSKLETTEREI – DAS ERSTE MAL DASS ICH ES SO BENENNEN KANN

Ab der 3. SL (5a) erreichte uns dann die Sonne. Die Felsqualiät ist super und die Kletterei total abwechslungsreich. Risse, Plattige stellen, Verschneidungen, aber immer wieder gute Henkel. Da wir die Seilschaft vor uns wieder eingeholt hatte, wechselten wir nach der 4. Seillänge in die „Spigolo de Infanti“ die wohl bekannteste Tour am Pal. Genusskletterei pur. Aussicht, Wetter und Spaßfaktor könnten besser nicht sein.

Beim Ausstieg folgen wir den roten Pfeilen, die uns zum Normalweg des kleinen Pal führen. Das war dann auch noch eine kleine Kraxlerei. (Teilweise mit Drahtseilen versichert). Auf dem Weg zum Gipfel, gingen wir immer wieder an Schützengräben und Stellungsbauten des 1. Weltkriegs vorbei.

UND ALS DRAUFGABE NOCH EIN BISSCHEN ZEITGESCHICHTE

Oben angekommen, standen wir dann inmitten des Freilichtmuseums Plöckenpass. Zeitgeschichte auf knapp 2000 Metern. Die rekonstruierten Schützengräben, Stellungsbauten, Stollenanlagen und weitere Fronteinrichtungen lassen die damalige Situation der beiden Kriegsparteien Italien und Österreich-Ungarn nur erahnen. Wenn ihr mal dort seid, schaut euch das unbedingt an – ist echt beeindruckend.

Zum Parkplatz (WegNR. 401) braucht man dann über den Normalweg ca. eine halbe Stunde.

Der Plöckenpass – ein lohnender Tagesausflug

TOURENINFO

Kletterlänge: 350 m

Schwierigkeit: Capo (6+/7-) Spigolo de Infanti (5-)

Einstieg: Entweder gerade durchs Buschwerk so wie wir 🙂 oder über Normalweg der beim Zollhaus starten (WegNr. 401) nach 50m nach links abzweigen und ca 10 entlag dem Wandfuß zum Einstieg.

Abstieg: Den roten Pfeilen folgen bis zum Gipfel des kleinen Pal. Dann über Normalweg (WegNr. 401) zurück zum Plöckenpass

Exposition: W

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