Klettern in Kroatien

Veröffentlicht am:05 Juli 2020
By Hanna

Nationalpark Velebit und seine Kletterspots – einen Teil davon haben wir erkundet.

Hier unser Erfahrungsbericht:

Klettergebiet Strogir

Morgen wollen wir unbedingt klettern gehen, daher fahren wir gleich die Bergstraße (gut asphaltiert) hoch um uns die Routen und Einstiege mal anzuschauen.(Bilder Gebiet abchecken)Es führt ein kleiner Steig hinauf zum Sektor Tocila (an den Steinmännern orientieren)

6 Mehrseillängenrouten befinden sich in diesem Sektor. Da wir nicht wissen, ob die Schwierigkeitsgrade in Kroatien hart bewertet werden oder nicht, und die Hakenabstände sehr groß zu sein scheinen, entschieden wir uns für die Winnetou (5c) die 2. SL wechseln wir in die Orada (5a) und in der 3. SL in die Don Raffae (4a). Die 3 Touren sind nah beieinander und ein wechseln zwischen den Touren 2-mal möglich.

Die Kletterei und der Fels sind anfangs ungewohnt aber total lässig! Die Bewertung der Touren nicht zu unterschätzen. Das brutalste sind allerdings die Hakenabstände. Da muss man echt Nervenstärke beweisen – nie nie nie hätte ich eine Chance das im Vorstieg zu Klettern. Hut ab vor Michi und seinem starken Kopf!

Es waren 3 super Seillängen die schon einiges an Kraft gekostet haben, aber mit wunderschöner Aussicht auf das Meer und die Insel Rab und Pag.

Unsere Erkenntnis: bei Mehrseillängen werden wir hier in Kroatien sicher nicht mehr als 6a klettern. Gut, dass wir nicht in eine schwierigere Tour eingestiegen sind. Da wär’s gleich vorbei bei mir mit der Freude am Klettern und wir sind ja schließlich im Urlaub 😉

Nun heißt’s abseilen (über die gleiche Route) und einen Platz zum Übernachten suchen. In Jablanac sind wir fündig geworden und wussten sofort, dass wir hier die nächsten paar Tage bleiben werden. Ein kleines Städtchen, mit Hafen und einem Restaurant.

Dabarski Kukovi

Next stop – Klettern auf den Dabarski Kukovi – eine Kette kahler Gipfel im mittleren Velebit. Von Jablanac fährt man nur 25 Km südlich nach Karlobag und von dort ins Landesinnere. Die Felsen sind nicht zu übersehen – wie weiße Zähne ragen sie aus dem dunklen Nadelwald. Gleich beim ersten Parkplatz, bei den Sektoren Kuk od Korita und Rujicin kuk blieben wir stehen. Das Wetter bewölkt aber stabil, beschlossen wir noch eine kleine Klettersession einzulegen. Der Name ist Programm – die Starter (2 SL 4c) war die erste Tour im Sektor Rujicin kuk und innerhalb 2 Minuten zu erreichen. Der Fels wieder komplett anders als im nördlichen Velebit. Große, scharfkantige aber griffige Wasserrillen und Platten dominieren die Routen. Ein Abseilen ist bei dieser schönen, aber kurzen Tour nicht nötig. Ein Steig führt wieder direkt zu unserem Parkplatz.

Mal schauen was wir morgen klettern. Michi durchforstet den Kletterführer – es stehen 2 Touren zur Auswahl, aber das entscheiden wir morgen. Ein gutes Weinderl und ein paar runden Kanasta später liegen wir dann im Bett – mutterseelenallein irgendwo im Nationalpark Velebit – kein Mensch weit und breit. Im Wald wahrscheinlich ein paar Bären und Luxe – wer weiß. Gut, dass wir einen so tollen Bus haben – im Zelt würde ich nicht so beruhigt einschlafen… gute Nacht…

Neuer Tag, neues Kletterglück! Das Wetter passt. Ein paar Wolken durchziehen den blauen Himmel, aber das ist gerade für Michi, der um einiges hitzeempfindlicher ist als ich, eh viel angenehmer. Die Entscheidung fiel auf die Tour ‚Altweibersommer‘ (4b, 5a, 5b, 5c)

Wie so oft, finden wir den Einstieg nicht beim ersten Versuch. Wir sind zu weit nach oben gegangen – für alle, die nicht so blind sind wie wir, wäre der Weg der nach rechts abzweigt relativ gut mit Steinmännern markiert. Durch unsere extra Aufwärmrunde sind wir einer Gams begegnet, die mich ganz schön erschreckt hat! Bevor man sah, welches Tier uns hier einen Besuch abstattet, hat es so laut geraschelt, dass ich vor Schreck erstarrte. „Ogott! Ein Bär!“ war mein erster Gedanke. Mein erschrockener Gesichtsausdruck, brachte Michi zum Lachen. HAHA! Es war nur eine Gams – oder doch ein Bär im Gamskostüm? Diese Frage bleibt wohl für immer unbeantwortet… 🙂

Endlich stehen wir am Einstig des ‚Altweibersommers‘. Auch hier super schöne Wasserrillen, eine schöne Verschneidung in der 2. Seillänge und eine tolle ausgesetzte Passage in der 3. Seillänge. Die letzte und vierte SL ist auch eine tolle Genusskletterei mit einem kleinen Dach kurz vor dem Stand. Alles in allem eine megaschöne Tour mit toller Aussicht. Standplätze und Bohrhaken sind super in Schuss, nur die Hakenabstände sollten nicht unterschätzt werden. Für mich eine der schönsten Touren, die wir bis jetzt in Kroatien geklettert sind.

Es ist später Nachmittag und noch Zeit für den kleinen Klettergarten mit 3 Touren direkt neben der Straße. Zahnlos, Kukident und der kleinen Liebe (5c, 4b, 5a, je 30m) Die lässigen Wasserrillen haben es uns angetan – echt coole Sache!

Filipov kuk

Wettercheck – morgen hohe Regenwahrscheinlichkeit. Das wird nichts mit einer weiteren Mehrseillänge. 14 km entfernt gibt es einen Klettergarten (Filipov kuk) das könnten wir morgen bei der unsicheren Wetterlage schon riskieren. Bus fahrbereit machen und ab nach Baske Ostarije. Ein Hostel, ein Hotel, ein Campingplatz, ein Supermarkt, soviel Zivilisation hatten wir gar nicht erwartet. Wir checkten für eine Nacht im Camp Velebit ein. Total nette Leute und schöner Campingplatz auf der grünen Wiese. Das Beste war allerdings die heiße Dusche nach 6 Tagen kalter Freiluftdusche.

Den Griller anschmeißen, ein Bierchen dazu und der Tag könnte nicht besser enden.

Der Klettergarten ist über eine Schotterstraße leicht zu erreichen und die 3 Touren (4b, 6a, 6b) mit einer Länge von jeweils 38 Metern sehr zu empfehlen. Grundsätzlich eine plattige Angelegenheit aber das sind wir ja jetzt von den kroatischen Gebieten schon gewohnt.

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