Quer durch Kroatien

Veröffentlicht am:05 Juli 2020
By Hanna

Klettern, Biken, Wandern, Baden, gut gehen lassen

2 Wochen Urlaub. Aus unserem ursprünglichen Plan – Kletterurlaub Korsika wurde wegen der Coronakrise nichts. Wir brauchen ein neues Ziel. Mal überlegen… Michi und ich haben da nämlich ein paar unterschiedliche Ansichten, was im Urlaub auf keinen Fall fehlen darf. Naja – ok – ehrlich gesagt hab ich etwas mehr Ansprüche. Sonne, Meer, Strand und hin und wieder ein Campingplatz oder Standplatz mit warmer Dusche und Toilette will ich auf keinen Fall missen.

Unsere Auswahl fiel auf Kroatien. Meer, Berge, Klettertouren, Wildnis, Campingplatz, Schnorcheln, Strand, Mountainbiken, warme Temperaturen, gutes Essen, schönes Wetter,…

Michi hat sich den neuen Kletterführer von Boris Cujic bestellt. Die Auswahl der Klettergebiete riesig. Wir haben uns für küstennahe Spots entschieden und somit war unser erstes Ziel die Ostküste von Istrien. In Rabac gibt es einen kleinen Sektor mit 10 Routen zwischen 5a und 6a. Der Zustieg 5 Minuten vom Parkplatz.

Der Plan steht. Jetzt folgt die Umsetzung. Wir starteten Mittwoch abends den Bus und machten uns auf den Weg. Laut Navi 6h 30min. HAHA – Stau ole! Nach über acht nervenzehrenden Stunden standen wir dann endlich am Parkplatz. Es war halb 4 Uhr morgens und ein heftiges Gewitter mit Starkregen begrüßte uns am 1. Urlaubstag. Wir waren so müde, dass selbst das laute prasseln auf die Dachluke uns nicht am Schlaf hinderte. Um 9 Uhr spähte ich mal aus dem Fenster. Der Himmel blau, die Straßen, Wiesen und Wälder platschnass. Oje, das Klettern können wir uns heute schenken.

Nach der Besichtigung des Klettergebiets (Aussicht schön, Gebiet klein und extrem plattig), einem Kaffee am Hafen und dem durchforsten verschiedenster Wetterberichte, beschlossen wir unsere Reise nach Süden fortzusetzen. Bei der Heimfahrt können wir immer noch hier vorbei fahren und bei besserem Wetter die Gebiete von Rabac und Brsec abchecken.

Next Stop Jablanac und das Klettergebiet Strogir. Morgen wollen wir unbedingt klettern gehen, daher fahren wir gleich die Bergstraße (gut asphaltiert) hoch um uns die Routen und Einstiege mal anzuschauen.

Es führt ein kleiner Steig hinauf zum Sektor Tocila (an den Steinmännern orientieren) 6 Mehrseillängenrouten befinden sich in diesem Sektor. Da wir nicht wissen, ob die Schwierigkeitsgrade in Kroatien hart bewertet werden oder nicht, und die Hakenabstände sehr groß zu sein scheinen, entschieden wir uns für die Winnetou (5c) die 2. SL wechseln wir in die Orada (5a) und in der 3. SL in die Don Raffae (4a). Die 3 Touren sind nah beieinander und ein wechseln zwischen den Touren 2 mal möglich.

Die Kletterei und der Fels sind anfangs ungewohnt aber total lässig! Die Bewertung der Touren nicht zu unterschätzen. Das brutalste sind allerdings die Hakenabstände. Da muss man echt Nervenstärke beweisen – nie nie nie hätte ich eine Chance das im Vorstieg zu Klettern. Hut ab vor Michi und seinem starken Kopf!

Es waren 3 super Seillängen die schon einiges an Kraft gekosten haben, aber mit wunderschöner Aussicht auf das Meer und die Insel Rab und Pag. Unsere Erkenntnis: bei Mehrseillängen werden wir hier in Kroatien sicher nicht mehr als 6a klettern. Gut, dass wir nicht in eine schwierigere Tour eingestiegen sind. Da wär’s gleich vorbei bei mir mit der Freude am Klettern und wir sind ja schließlich im Urlaub 😉

Nun heißt’s abseilen (über die gleiche Route) und einen Parkplatz für die nächsten Tage suchen.

In Jablanac sind wir fündig geworden und wussten sofort, dass wir hier die nächsten paar Tage bleiben werden. Ein kleines Städtchen, mit Hafen und einem Restaurant. Der Chef vom Restaurant hat uns einen Parkplatz in der Auffahrt eines aufgelassenen Hotels empfohlen. Und das war perfekt! Besser hätten wir es nicht treffen können. Die Aussicht ein Traum und der Meerzugang ins glasklare Wasser nur 2 min entfernt.

Wenn ihr mal dort in der Gegend seid, schaut euch unbedingt die Bucht Zavratnika an. Von Jablanac sind es 10 Gehminuten der Küste entlang. Wir sind mit Badesachen, Taucherbrille und Schnorchel bewaffnet auf Anraten des Restaurantchefs dort hin und es war der Wahnsinn. Nicht nur das versunkene Schiff aus dem 2. Weltkrieg, sondern auch die Küste und das wunderschöne Wasser machen diese Bucht zu einem Platz der Kategorie: „muss man unbedingt gesehen haben“.

Der Nationalpark Velebit in dem wir uns befinden, wenn man von Jablanac Richtung Klettergebiet Strogir fährt, ist nicht nur zum Klettern sondern auch zum Biken eine echte Spielwiese. Die Straße hinauf zum Pass Veliki Alan, übrigens der höchste Pass des Velebit Nationalparks, ist top in Schuss und so schrauben wir uns Höhenmeter für Höhenmeter hinauf – die Beine werden immer müder, die Aussicht auf das Meer und die umliegenden Inseln aber immer schöner.

Es ist 11 Uhr und bereits brütend heiß – der Plan um 7 Uhr loszufahren ist uns nicht aufgegangen. Es gibt nämlich einen Langschläfer unter uns – und das bin nicht ich 😉 aber was soll‘s, wir sind ja im Urlaub.

Steinwüste, Wälder, Almböden – auf dieser Strecke ist an Vegetation alles dabei. Die Straße ist nur wenig befahren und wäre auch fürs Rennrad ideal. An der Kuca Alan angekommen, zeigt der Tacho 1340 Höhenmeter und 22 Kilometer. Die verbleibenden 80 Höhenmeter auf den Pass Veliki Alan haben wir uns geschenkt. Jetzt kommt das schönste, wenns so heiß ist – endlich Fahrtwind! Und dazu noch der prächtige Ausblick! What a day!

Next stop – Klettern auf den Dabarski Kukovi – eine Kette kahler Gipfel im mittleren Velebit. Von Jablanac fährt man nur 25 Km südlich nach Karlobag und von dort ins Landesinnere. Die Felsen sind nicht zu übersehen – wie weiße Zähne ragen sie aus dem dunklen Nadelwald. Gleich beim ersten Parkplatz, bei den Sektoren Kuk od Korita und Rujicin kuk blieben wir stehen. Das Wetter bewölkt aber stabil, beschlossen wir noch eine kleine Klettersession einzulegen. Der Name ist Programm – die Starter (2 SL 4c) war die erste Tour im Sektor Rujicin kuk und innerhalb 2 Minuten zu erreichen. Der Fels wieder komplett anders als im nördlichen Velebit. Große, scharfkantige aber griffige Wasserrillen und Platten dominieren die Routen. Ein Abseilen ist bei dieser schönen, aber kurzen Tour nicht nötig. Ein Steig führt wieder direkt zu unserem Parkplatz. Mal schauen was wir morgen klettern. Michi durchforstet den Kletterführer – es stehen 2 Touren zur Auswahl, aber das entscheiden wir morgen. Ein gutes Weinderl und ein paar runden Kanasta später liegen wir dann im Bett – mutterseelenallein irgendwo im Nationalpark Velebit – kein Mensch weit und breit. Im Wald wahrscheinlich ein paar Bären und Luxe – wer weiß. Gut, dass wir einen so tollen Bus haben – im Zelt würde ich nicht so beruhigt einschlafen… gute Nacht…

Neuer Tag, neues Kletterglück! Das Wetter passt. Ein paar Wolken durchziehen den blauen Himmel, aber das ist gerade für Michi, der um einiges hitzeempfindlicher ist als ich, eh viel angenehmer. Die Entscheidung fiel auf die Tour ‚Altweibersommer‘ (4b, 5a, 5b, 5c)

Wie so oft, finden wir den Einstieg nicht beim ersten Versuch. Wir sind zu weit nach oben gegangen – für alle, die nicht so blind sind wie wir, wäre der Weg der nach rechts abzweigt relativ gut mit Steinmännern markiert. Durch unsere extra Aufwärmrunde sind wir einer Gams begegnet, die mich ganz schön erschreckt hat! Bevor man sah, welches Tier uns hier einen Besuch abstattet, hat es so laut geraschelt, dass ich vor Schreck erstarrte. „Ogott! Ein Bär!“ war mein erster Gedanke. Mein erschrockener Gesichtsausdruck, brachte Michi zum Lachen. HAHA! Es war nur eine Gams – oder doch ein Bär im Gamskostüm? Diese Frage bleibt wohl für immer unbeantwortet… 🙂

Endlich stehen wir am Einstig des ‚Altweibersommers‘. Auch hier super schöne Wasserrillen, eine schöne Verschneidung in der 2. Seillänge und eine tolle ausgesetzte Passage in der 3. Seillänge. Die letzte und vierte SL ist ebenfalls eine tolle Genusskletterei mit einem kleinen Dach kurz vor dem Stand. Alles in allem eine megaschöne Tour mit toller Aussicht. Standplätze und Bohrhaken sind super in Schuss, nur die Hakenabstände sollten nicht unterschätzt werden. Für mich eine der schönsten Touren, die wir bis jetzt in Kroatien geklettert sind.

Es ist später Nachmittag und noch Zeit für den kleinen Klettergarten mit 3 Touren direkt neben der Straße. Zahnlos, Kukident und der kleinen Liebe (5c, 4b, 5a, je 30m) Die lässigen Wasserrillen haben es uns angetan – echt coole Sache!

Wettercheck – morgen hohe Regenwahrscheinlichkeit. Das wird nichts mit einer weiteren Mehrseillänge. 14 km entfernt gibt es einen Klettergarten (Filipov kuk) das könnten wir morgen bei der unsicheren Wetterlage schon riskieren. Bus fahrbereit machen und ab nach Baske Ostarije. Ein Hostel, ein Hotel, ein Campingplatz, ein Supermarkt, soviel Zivilisation hatten wir gar nicht erwartet. Wir checkten für eine Nacht im Camp Velebit ein. Total nette Leute und schöner Campingplatz auf der grünen Wiese. Das Beste war allerdings die heiße Dusche nach 6 Tagen kalter Freiluftdusche. Den Griller anschmeißen, ein Bierchen dazu und der Tag könnte nicht besser enden.

Der Klettergarten ist über eine Schotterstraße leicht zu erreichen und die 3 Touren (4b, 6a, 6b) mit einer Länge von jeweils 38 Metern sehr zu empfehlen.Grundsätzlich eine plattige Angelegenheit aber das sind wir ja jetzt von den Kroatischen Gebieten schon gewohnt.

Ortswechsel. Wir fahren wieder Richtung Norden. Auf die Ostküste Istriens. Moscenicka Draga. Hier ist es schwierig einen Parkplatz zu finden. Nur kleine Ausbuchtungen direkt neben der sehr viel befahrenen Küstenstraße. Wir gönnen uns den Luxus und fahren zum Campingplatz Autocamp Draga. Preis/Leistung super und die Standplätze tiptop. Das kleine Örtchen hat einen wunderschönen Kiesstrand und nette Restaurants und Bars. Zeit für ein bisschen Badeurlaub.

Nicht unweit von Moscenicka Draga befindet sich der Ort Brsec. Dort ist nicht nur einer der schönsten Strände Kroatiens, sondern sind auch noch einige Klettersektoren. Die nächtlichen Gewitten haben uns aber leider davon abgehalten dieses Gebiet zu erkunden.

Was allerdings immer geht, auch wenn der Boden nass ist, ist Mountainbiken. Die Komoot App gestartet, sucht Michi eine kleine Vormittagsrunde für uns aus. Eines kann ich vorweg sagen -das war die letzte Tour die er ausgesucht hat! Zuerst über mega steile Betonrampen 4km und 450 hm mitten in die „Kroatischen Tropen“ die hohe Luftfeuchtigkeit und die Hitze trieb uns die Schweißperlen in die Augen. Dann kam ein netter, „knackiger“ Trail. *haha* es folgten 3km und 320 hm TRAGE- UND SCHIEBESTRECKE – man muss vl noch dazu sagen, dass wir uns zusätzlich auch noch verfahren haben. Tragen wäre vermutlich nicht notwendig gewesen. Endlich auf einer etwas breiteren Schotterstraße angekommen, erreichen wir ein Hochplatteau mit verfallenen Steinmauern und Häusern. Wir sind in Petrebisca – ein früheres Almdorf, das auch heutzutage noch als Weidefläche dient. Wir trafen allerdings weder Vieh noch Hirten an. Zum Glück auch keine Bären – nur deren Hinterlassenschaften, und das alleine löste in mir schon ein mulmiges Gefühl aus. Über schmale Wiesenwege erreichten wir endlich die Forststraße und anschließend die Asphaltstraße zurück zum Campingplatz. Bin ich froh, diese Tour nicht ausgesucht zu haben – Michi hätte mich sowas von verflucht! *lach* Die GPS Datei zum download spar ich mir, da ich die Tour keinem zumuten möchte.

Auf der Heimreise legten wir noch einen Zwischenstop in Slowenien ein. Genauer gesagt im Sočatal – wild, wasserreich und wunderschön – treffen es wahrscheinlich am besten.

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