Castor 4223m

Veröffentlicht am:07 September 2020
By Hanna

Mein erster 4000er

25. August 2020

Letztes Jahr hab ich mit Michi meine ersten Hochtour-Erfahrungen gemacht. Der Piz Palü 3900m und der Ortler mit seinen 3905m waren die bislang höchsten Gipfel. Die 4000er Grenze war somit das Ziel der heurigen Hochtourensaison.

VOM KLETTERN IN FRANKREICH AUF DIE GLETSCHER IN ITALIEN

Nach 8 Tagen Kletterurlaub in Frankreich machten wir uns auf den Weg ins Aostatal – genauer gesagt nach Staffal. Der Wetterbericht versprach super Bedingungen und die nur 3,5 Stunden Fahrzeit machten die Walliser Alpen zu dem perfekten Ziel.

  • Wir hatten folgenden Plan im Kopf:
  • Tag 1: von Staffal auf das Refugio Quintino Sella
  • Tag 2: Castor
  • Tag 3: Liskamm Überschreitung

DER AUFSTIEG ERSCHIEN UNS ENDLOS

Von Staffal ging’s erst mal ganz gemütlich mit der Gondel und anschließend mit dem Sessellift hoch zum Colle Bettaforca (2612m) von dort führt ein Weg, Steig und anschließend ein ausgesetzter Grat zum Refugio Quintino Sella (3585m), das direkt am Felik Gletscher liegt.

Beim Aufstieg zur Hütte trafen wir auf eine Gruppe junger Steinböcke. Man durfte recht nah an ihnen vorbei gehen – dass ich auf ihn zu gehe, wollte mein schönes Fotomodell allerdings nicht. Der hat mich richtig angeknurrt! Ich entschied mich schnell für die Flucht um nicht in einen Konflikt mit diesem knurrenden Steinbock zu geraten 😀

Nach der Steinbock-Begegnung wurde der Weg schwieriger, steiler, blockiger. „Da noch den Hang hinauf, dann sind wir bei der Hütte“ sagte Michi. Gott sei Dank! – dachte ich mir. Das zieht sich heute brutal und ist mega anstrengend.. eh klar.. wir sind schon auf über 3000 Meter und noch dazu sehr schnell mit Hilfe der Seilbahn aufgestiegen. Nach dem besagten „Hang“ an dem sich die Hütte befinden soll war genau gar nichts ausser ein paar Steinmännern. Zu unserem Entsetzen sahen wir nun die Hütte. Mini mini klein – am Ende des Grates.

Na super! Der ausgesetzte Grat zur Hütte war zum Glück lässig zu gehen und somit erreichten wir nach 2,5 Stunden die uns vorkamen wie 5 die Hütte.

Gemütlicher Nachmittag auf dem Sofa im großen Aufenthaltsraum bei Kaffee und Bier – also ich Kaffee, Michi ein Bier – während der kalte Wind um die Hütte pfiff. Hoffentlich stimmt der Wetterbericht für morgen…

5:40 UHR ABMARSCH

Nach dem recht spärlichen Frühstück – wir sind eben in Italien – verließen wir die Hütte. Der kalte Wind wehte uns um die Ohren als wie den ersten Schritt nach draußen machten. „Auweh, das wird eine frostige Angelegenheit“ dachte ich mir und hoffte genügend Kleidung angezogen zu haben…

Nach den ersten paar Höhenmetern war es dann schon nicht mehr ganz so kalt und mit dem Blick auf den klaren Himmel, und den Sonnenaufgang der sich bereits ankündigte hatte ich die Hoffnung, dass uns bald die ersten Sonnenstrahlen wärmen würden.

Über den Felikgletscher hoch, erreichten wir bald eine 40 Grad steile Passage, die recht vereist war. Diese mit brennenden Waden dann geschafft, stehen wir am Felikjoch, wo uns nun die Sonne erreichte. Ein wunderschöner Blick auf den Lyskamm und den vor uns liegenden Castor belohnte die Anstrengung. Nun sind es nur mehr 180 Höhenmeter über den schmalen Grat hinauf zu meinem ersten 4000er.

EINE GRATWANDERUNG IN RICHTUNG GLÜCK

Der schmale Grat ist nicht ganz ohne. Trittsicherheit sollte auch auf diesem recht einfachen 4000er definitiv gegeben sein.

Wir hatten weder Kopfweh, noch waren wir kaputt – es war einfach nur purer Genuss. Die Gipfel der Walliser Alpen zeigten sich von ihrer schönsten Seite. Es ist oft nur ein kurzer Moment der Freude, der Erleichterung und des Glücks, denn gleich darauf folgt die Konzentration auf den Abstieg.

Wir stiegen den selben Weg ab, wie wir aufgestiegen sind und erreichten schon um halb 10 das Refugio. Ein Blitz-4000er wie ich unsere Besteigung im nachhinein nenne 😉

Für unsere morgige Tour, die Lyskammüberschreitung machte uns leider das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Schade – wir wären nun perfekt akklimatisiert gewesen. Aber Windböen von 80 km/h war uns dann doch für eine Gratbegehung zu gefährlich. Man muss nichts herausfordern. So vernünftig sind wir beide um auch Pläne und Träume nicht um jeden Preis durchsetzen zu müssen. Dieser Preis wäre nämlich eindeutig zu hoch.

„Wenn man die Berge liebt, akzeptiert man auch, dass sie die Bedingungen stellen“ – Jean-Christophe Lafaille

Noch am selben Tag stiegen wir zum Colle Bettaforca ab und mit dem Sessellift und der Gondel erreichten wir am Nachmittag das Tal. Es war ein unglaubliches Erlebnis von dem ich bestimmt sehr lange zehren werde.

Der erste aber bestimmt nicht der letzte 4000er.

Wegen der tollen Landschaft und der relativ leichten Schwierigkeit für einen Gipfel in dieser Höhe gibt’s:

Sterne von uns!

TOURENINFO

Aufstieg: Staffal – Colle Bettaforca (mit Lift +772), Colle Bettaforca – Refugio Quintino Sella (+973 HM), Refugio Quintino Sella – Castor (+638 HM)

Abstieg: Castor – Colle Bettaforca (-1611 HM), Colle Bettaforca – Staffat (mit Lift -772 HM)

Beste Jahreszeit: Juni – Juli – August – September

Schwierigkeit: mittel

Unser Zeitplan als Richtwert:

5:40 Start Refugio

08:10 Gipfel

09:30 Zurück am Refugio

Abstieg ins Tal: ca 2h

AUSRÜSTUNG

Hochtourengurt

Helm

50 Meter Einfach Seil

1 Eisschraube pro Person

1 Pickel

Steigeisen

1x Ball Lock Karabiner

2x Schraubkarabiner

2x HMS Karabiner

2x | 4 Meter Reepschnur

1x Bandschlinge Micro Traxion & T-Block

One Response to “Castor 4223m”

  1. Anna Mayerl sagt:

    wunderschön eure Eindrücke (: Lg Anna

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.